Fachtagungen

13.11.2017 – 17.11.2017

Gut Frohberg, Käbschütztal

Into the wild – international

Grenzgänge in der Prozessbegleitung

Zum Download des Programms auf das Bild klicken

for the program in english, please click here

Grenzerfahrungen sind in der erlebnispädagogischen und initiatischen Prozessbegleitung immer ein wesentlicher Impuls zu neuen Lernerfahrungen. Besonders für das Jugendalter sind bekanntermaßen Grenzerlebnisse ein erfolgreicher Weg der Identitätsfindung. Die aktuellen Begegnungen mit Geflüchteten verlangen einen kritischen Blick auf solche Überzeugungen und eine Erweiterung unseres Handlungsrepertoires.

Für die Begleitung von Veränderungsprozessen bei Menschen jeden Alters in und mit der Natur braucht es eine ausgeprägte Haltung, Methoden- und Theoriekompetenz. Schon darin sind einige Widersprüche und fachliche Fragestellungen verborgen, zum Beispiel, welche Ausbildungen und Kompetenzen es für eine verantwortungsvolle Prozessleitung braucht.

Weitere Spannungsfelder folgen: die ökologische Verträglichkeit des Handelns in der Natur, ihre politische Dimension und ihre Ansprüche an die Persönlichkeitsbildung, zum Beispiel der möglichen Reproduktion klischeehafter Geschlechterbilder. Ein Dilemma besteht auch in den Lernzielen der erfahrungsorientierten Angebote. Diese setzen auf die scheinbar unmodernen Werte, wie Behutsamkeit, Langsamkeit, Gemeinsamkeit, Eindruck und Erlebnis.

Die nötigen Korrekturerfahrungen zu den gesellschaftlichen Anforderungen, wie Leistungsdruck, Konkurrenz- und Konsumverhalten sind zwar willkommen, verhallen jedoch im Alltag, wenn nicht genügend Zeit und ein »Einbetten« der neuen Erfahrungen gewährleistet werden kann. Derartige »Grenzgänge« werden zur Fachtagung im Mittelpunkt des Handelns, Lernens und miteinander Entwickelns stehen.

Vorträge

Entschleunigung – Carpe diem aus einem anderen Blickwinkel

Montag 17.30 Uhr Pit Rohwedder

Carpe diem – pflücke den Tag – wurde vom römischen Dichter Horaz als eine achtsame Lebenshaltung beschrieben. Dieser Spruch wird aber heute gerne in die Bedeutung des ergebnisorientierten Nutzens gerückt und weniger in den des achtsamen Seins. Unser Einstiegsvortrag thematisiert darüber die permanente Leistungssteigerungserwartung unserer Gesellschaft und die Ökonomisierung aller Lebensbereiche im Kontext erlebnispädagogischer Programmgestaltung. Zentrale Fragestellungen dabei sind:
• Wie viel Programmfülle ist für Persönlichkeitsentwicklung hilfreich?
• Welche Leer- oder Zwischenräume braucht die Seele zur Verarbeitung und Festigung des Erlebten?
Darüber soll das Entstehen neuer kreativer Impulse, die wichtige Selbstwirksamkeitserfahrungen
ermöglichen, erkundet werden.

Das Prinzip Langsamkeit. Entscheidungsfindung in Grenzsituationen
Dienstag 9.30 Uhr Prof. Dr. Wolfgang Wahl

Als Gruppenleiter begegnen uns in erlebnispädagogischen Settings immer wieder kritische Gefahrensituationen. Ungewissheit, Entscheidungsdruck
und Angst können lähmen und zu Fehlentscheidungen führen. Im Vortrag werden anhand eines literarischen Beispiels die Merkmale von Grenzsituationen sichtbar gemacht. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie wir in Grenzsituationen zu guten Entscheidungen kommen und welche Rolle dabei die Gruppe spielt.

Von Saurierjagden, Lachkrankheiten und anderen Realitäten
Dienstag 15.15 Uhr Hans Geißlinger

Es gibt glaubwürdige und unglaubwürdige Geschichten. Geschichten, die erfunden und solche, die erlebt werden. Diese hier sind von allem etwas und
alles zugleich. Unwichtig, ob es sich dabei um große, weltbewegende oder um kleine persönliche Geschichten handelt, das Gemeinsame ist ihr  Welterweiternder Charakter. Geschichten ziehen Realitäten nach sich, die es ohne sie nicht gäbe. Es ist von großem Wert, sich des Potentials bewusst zu sein, welcher dieser Zündstoff in sich birgt.

Grenzgänge in der Beratung
Mittwoch 9.00 Uhr Dr. Ron Kunga Lacoste

Durch die Komplexitätstheorie wissen wir, dass Unternehmen wie auch Ökosysteme in einem ständigen Wandel zwischen Chaos und Ordnung stehen
und dass an der Grenze zum Chaos die maximale Kapazität für kreative Neuschöpfung und tiefgehenden organisatorischen Wandel erreicht wird.
Beraterische Lösungsansätze, die Krisen zur Gelegenheit zu machen wirken nachhaltiger und führen zu größerer Resilienz und zu einem Gewinn für Organisationen, Mitarbeiter und Kunden.

Transformatives Lernen
Mittwoch 17.00 Uhr Prof. Dr. Arnd-Michael Nohl

Transformatives Lernen stellt einen Prozess dar, bei dem durch kritische (Selbst-)Reflexion bereits bestätigte eigene Perspektiven und Denkweisen
transformiert werden, um diese sowohl zu verändern als auch zu erweitern. Das Konzept wird in der internationalen Erwachsenenbildung häufig
genutzt. Transformatives Lernen wird üblicherweise als Angelegenheit der (Selbst-)Reflexion betrachtet. In dem Vortrag wird die Bedeutung praktischer und bisweilen spontaner Handlungen hervorgehoben. Denn diese führen zu neuen Erfahrungen und schließlich zur Überschreitung der Grenzen des eigenen Selbst. Der Vortrag basiert auf einer ganzen Reihe von empirischen Beispielen, in denen sich Menschen in neue Praktiken stürzten und so neue Horizonte für ihr Leben eröffneten. Dabei werden auch theoretische und normative Fragen diskutiert.

Adventure and Nature in Supporting Psycho Therapeutic Processes – Exploring the Healing in Adventure Therapy
Donnerstag 9.00 Uhr Dr. Stephan Natynczuk

It has long been appreciated that adventure and wilderness have their own intrinsic therapeutic qualities. Is it enough just to spend time outdoors with others? What about the useful conversations and reflection that help bring about change for the better? Where is the healing in adventure therapy and how do we get the best from the experience?

Methoden: Vorträge, Workshops, Arbeitsgruppen, Contact Making
Zielgruppe: Mitarbeiter_innen der Kinder- und Jugendarbeit, die in der Beratung und Prozessbegleitung tätig sind, Fachkräfte aus anderen europäischen und nicht-europäischen Ländern sowie Partnerorganisationen, am Arbeitsfeld Interessierte

Kosten (inkl. Übernachtung und Verpflegung)
Sächsische Teilnehmer_innen: 200,00 Euro
Alle anderen Teilnehmer_innen: 250,00 Euro

Ansprechpartnerin:
Andrea Scholz
Telefon: (0371) 5 33 64 – 18

Das Programm steht als Download zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk erlebnispädagogische Prozessbegleitung Sachsen und Walden e.V.

Zurück

07. 03. 2018

Potentiale entfalten, Zukunft gestalten

Personal- und Organisationsentwicklung in der Sozialwirtschaft

(Fachtagung)

12. 04. 2018

Die Erfindung der Gruppe

Vielfaltspädagogische Antworten auf »Wir« und »die Anderen«

(Fachtagung)

08. 05. 2018

Fachsalon 10 Jahre MUT

Rundblick: Auseinandersetzung mit Neonazismus und Rassismus in Sachsen

(Fachtagung)

09. 05. 2018

Eastern Europe Open Boundaries

Europäische Perspektiven zur Demokratieförderung und Präventionsarbeit

(Fachtagung)

15. 05. 2018

Blick über den Tellerrand

Globale Perspektiven in der Offenen Jugendarbeit

(Fachtagung)